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kurzbeschreibung
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Ein Film über den amerikanischen Fotografen James Nachtwey, über seine
Motivation, seine Ängste und seinen Alltag als Kriegsreporter. Will man
den Hollywood-Filmen glauben, dann sind sie alle abgebrühte und zynische
Haudegen. Wie kann man im Augenblick des Grauens an die Belichtungszeit
denken? James Nachtwey ist kein dröhnender Schwadroneur, sondern ein unauffälliger
Mann mit grauen Haaren und der Bedachtsamkeit eines Philosophiedozenten.
Er ist ein grüblerischer und eher schüchterner Mensch. Doch für viele
ist er der mutigste und beste Kriegsfotograf aller Zeiten. Mit Sicherheit
ist er der Meistbeschäftigte. Er hat in den letzten zwanzig Jahren keinen
einzigen Krieg ausgelassen. Und er hat wohl mehr Schrecken und Sterben
gesehen als jeder andere Mensch unserer Zeit. (off. Website)
meine meinung |
"Sind deine Bilder
nicht gut genug, warst du nicht nah genug dran." Robert Capa
Mit
diesem Zitat beginnt der Film War Photographer des schweizer Regisseurs
Christian Frei. Um ganz ehrlich zu sein, hatte ich vorher noch kein Werk
von Frei gesehen. Bekannt ist mir nur, dass er ausschließlich Dokumentarfilme
gedreht hat. Und auch War Photographer ist ein Dokumentarfilm.
Und - um eines vorweg zu nehmen - einer der besten, die ich jemals gesehen
habe.
Wie es der Titel schon verrät, handelt der Film von einem Kriegsfotografen.
Noch dazu von einem der besten unserer Tage, um nicht zu sagen DEM besten!
Die Rede ist von James Nachtwey. Seine Fotografien sind weltbekannt und
zurecht wurde Nachtwey mit unzähligen Preisen ausgezeichnet. Denn - um
noch mal auf das Zitat von Robert Capa (einem der Gründer der weltbekannten
Agentur "Magnum") zurück zukommen - Nachwey hat sich diesen Rat wohl sehr
zu Herzen genommen. Denn wenn manche Fotografen das Geschehen aus sicherer
Entfernung auf Film bannen, so ist "Jim" immer mitten dabei. Und das sieht
man seinen Fotografien auch an.
Diese sind teilweise so schonungslos realistisch, dass man sich wünscht,
manche seiner Bilder nie gesehen zu haben.
Christian Frei hat den »Kriegsfotografen« zwei Jahre lang begleitet. In
die verschiedensten Krisengebiete unserer Welt.
Wir begleiten Nachtwey bei seiner Arbeit. Und was als erstes besonders
stark auffällt, mit welcher Ruhe und Präzision der Fotograf ans Werk geht.
Und - wie gerade schon erwähnt - er ist immer ganz nah am Geschehen. Nur
wenige Meter trennen seine Kamera und die Dinge, die er damit für die
Nachwelt festhält.
Eine geniale Idee der Macher - an Nachtwey's Canon EOS-1 wurde eine Mini-Filmkamera
befestigt. Mit dieser bekommen wir unglaubliche Bilder zu Gesicht. Und
gerade, wenn man sich für Fotografie begeistern kann, sind diese Aufnahmen
mehr als interessant. Denn auf diese Art und Weise bekommt man einen fantastischen
Einblick in die Arbeitsweise des »Photographers«. Was er durch seinen
Sucher beobachtet, bekommen auch wir als Zuschauer zu sehen.
Schon oft habe ich mich gefragt, wie arbeiten Profis? Wie viele Fotos
machen Sie von einem Ereignis? Welche Werkzeuge benutzen sie? In War
Photographer sind wir in jeder Minute »live« dabei! Schon aus diesem
Gesichtspunkt fand ich den Film überaus interessant.
Der Aufbau des Films ist schnell erzählt. Zum einen können wir das Genie
Nachtwey bei der Arbeit beobachten, zum anderen werden diese außergewöhnlichen
Eindrücke von Interviews unterbrochen. Gespräche, natürlich mit Nachtwey
selbst, aber auch mit Freunden und Kollegen.
Natürlich werden auch die "fertigen" Fotos gezeigt. Beim Betrachten begleitete
mich ein ungewöhnliches Gefühl. Denn man gerät, meiner Meinung nach, schon
fast in einen Konflikt mit sich selbst. Als die ersten Bilder auf dem
Bildschirm erschienen, war ich begeistert! Denn diese Fotografien sind
kleine Meisterwerke. Technisch perfekt und fantastisch komponiert. Immer
hat man den Eindruck, dass Nachtwey exakt den richtigen Augenblick und
Bildauschnitt gefunden hat. Nur so darf ein Bild aussehen! Nur wenige
Meter links, rechts oder weiter entfernt und die Perfektion wäre zerstört
gewesen!
Doch im selben Moment wird einem erst richtig bewusst, was man hier eigentlich
sieht! Und meist ist dies mehr als erschreckend. Arme, kranke, leidende,
hungernde Menschen sind nur ein Bruchteil dessen, was uns Nachtwey mit
seinen Werken zeigen möchte. Einige der Fotos sind aber schon so schrecklich,
dass man am liebsten wegschauen möchte. Mittlerweile habe ich War Photographer
schon fünf mal gesehen und bei keinem Mal verliert er seine Wirkung.
Beim ersten Ansehen kam mir natürlich, wie vielen anderen bestimmt auch,
der Gedanke, dass dieser Mensch mit dem Leid anderer sein Geld verdient.
Das ist natürlich richtig und es stellt sich sofort die Frage, ob dies
denn wirklich sein muss! Die Antwort lautet eindeutig »JA«. Denn im Laufe
des Films wird einem bewusst, dass Nachtwey seinen Beruf keineswegs aufgrund
des Geldes ausübt. Nein, er möchte das Grauen auf dieser Erde schonungslos
darstellen. Und das gelingt ihm auch perfekt. Denn so brillant wie auch
grausam seine Abbildungen auch sein mögen, das wichtigste daran ist wohl,
dass sie ungemein zum Nachdenken anregen. Dass wir uns ständig fragen,
WARUM? Warum geschehen all diese schrecklichen Dinge? Warum schafft es
die Menschheit nicht in Frieden zu leben? Waren unzählige sinnlose Kriege
nicht Grund genug, endlich einmal aufzuwachen? Möchte nicht letztendlich
jeder von uns einfach nur in Ruhe gelassen werden? Auch wenn es Nachtwey
wohl nie schaffen wird, die Menschen davon zu überzeugen, was sie sich
gegenseitig antun, er leistet wenigstens einen großen Beitrag dazu. Und
dass muss man ihm hoch anrechnen!
Dieser unscheinbare Mann begibt sich jeden Tag aufs Neue in Lebensgefahr,
nur um mit seinen Bildern das Grauen anderen zu übermitteln! Wenn auch
manche sagen werden, er muss es doch nicht tun, es ist seine freie Entscheidung,
so habe ich vor James Nachtwey ungeheuerlichen Respekt!
Selbstverständlich hat man den Eindruck, dass dieser Fotograf ohne seinen
Beruf nicht mehr existieren könnte. Dass es ein Teil seines Lebens geworden
ist, jeden Tag ans Limit zu gehen. Auch hier stellt sich mir wieder eine
fast unglaubliche Frage. Wie kann es ein Mensch ertragen dies alles zu
sehen? Schon die Fotografien sind gnadenlos erschreckend. Wie mag es wohl
im Inneren eines Menschen aussehen, der dies ja alles hautnah miterlebt
hat? Von Nachtwey werden wir es wohl nicht erfahren, denn er verhält sich
zu seiner Arbeit sehr zurückhaltend und spricht sehr ungern von seinen
Erlebnissen. Eines ist sicher, zwanzig Jahre dieses Berufes haben aus
ihm sicherlich einen anderen Mensch gemacht!
War Photographer ist ein Film, den man gesehen haben MUSS!
An dieser Stelle, ein großes Lob und ein riesiger Dank an den sympatischen
Regisseur Christian Frei, dem es gelungen ist, einen der wichtigsten Filme
unserer Tage zu machen.
Die Oscar-Nominierung war vollkommen verdient und ich hätte es ihm sehr
gegönnt, hätte er die Auszeichnung bekommen.
Aber ich denke, wichtiger als jede Trophäe ist wohl das Lob der Zuschauer.
Und wenn ich mir das Gästebuch der offiziellen Website einmal ansehe,
so findet man so gut wie keine negative Kritik zu Frei's Film. Und wie
man diesem Review nur unschwer entnehmen kann, schließe ich mich jedem
lobenswertem Wort an! Somit an dieser Stelle nochmal den allergrößten
Respekt für James Nachtwey und Christian Frei!
andere meinungen |
irene marx | www.artetic.com
der film hat mich sehr aufgewühlt und berührt. natürlich durch die bilder,
die all diese menschlichen schicksale zeigen, von denen man sich so gerne
abwendet. aber vor allem auch durch die person james nachtwey. er lebt
sein leben in totaler selbstaufgabe, um seine aufgabe zu erfüllen und
seine mission zu leben. er ist für mich ein mensch, der tief in sich selbst
ruht, der mit sich im völligen einklang sein muß, um zu solch einer hingabe
fähig zu sein. es geht solch eine kraft von ihm aus! durch seinen optimismus,
der nicht zu wanken scheint. durch seine fokussiertheit auf das, was er
tun muß und kann.
seine überzeugtheit gibt mir kraft, und ich sehe einen sinn darin, nicht
aufzugeben. nicht zu sagen "es nützt ja doch nichts". nicht zu resignieren,
wenn unmittelbar wieder einmal ein krieg bevorsteht. nicht wegzusehen.
wir müssen hinsehen! wir dürfen nicht stillsein. das ist die botschaft,
die ich aus diesem film mitgenommen habe, und wofür mir der film auch
kraft gibt. ich weiß nicht, wie lange diese kraft anhalten wird. und ich
bewundere diesen mann, der seit über 20 jahren all das leid sieht, und
doch weiterkämpft und nicht resigniert, und dabei den menschen noch mit
all diesem respekt begegnet, wo er doch schon so oft erfahren hat wie
austauschbar die fronten sind.
ich wünschte, jeder mensch würde diesen film sehen.
dieser kontrast zwischen dem was die politiker erzählen einerseits und
diesen bildern andererseits, sollte jedem menschen so vor augen geführt
werden. diese bilder sagen mehr als tausend worte. mehr als alle schlauen
stammtischdiskussionen.
Infos >>>
James Nachtwey war von 1986 bis 2001 Mitglied der Fotoagentur Magnum.
Mittlerweile arbeitet er für VII.
Weitere Informationen zum Film und den Machern von War Photographer
findet man auf der offiziellen Website www.war-photographer.com.
dvd | code 2
Die Umsetzung von War Photographer ist sehr gut gelungen. Das Bild
ist perfekt. Gefilmt wurde mit einer digitalen Videokamera und das Ergebnis
kann sich mehr als sehen lassen. Bisher kannte ich den Film nur durch
seine Fernsehausstrahlung. Und im Vergleich zu dieser ist die DVD fantastisch.
Optimale Schärfe, gute Farben, alles ist hier in Ordnung.
Zuerst hatte ich mich ein wenig gewundert, warum dem Film keine 5.1 Abmischung
spendiert wurde. Letztendlich ist dies aber relativ egal. Der 2.0 Dolby
Soundtrack reicht vollkommen aus. Schließlich ist dies kein Actionkracher
sondern ein Dokumentationsfilm. Hier zählen nicht Effekte sondern
Informationen. Außerdem kommt es hauptsächlich auf das an,
was man in diesem Fall zu SEHEN bekommt. Der Ton ist trotzdem perfekt
abgemischt. Alle Stimmen sind perfekt zu verstehen. Man kann sich nicht
beschweren.
Die Extras hätte man sich aber sparen können. Fast hat man den
Eindruck, man hat zwanghaft nach ein paar Kleinigkeiten gesucht, die man
als "Specials" verkaufen kann. Denn so gut wie alle hier gezeigten
Informationen hat man schon während des Filmes gesehen. Eigentlich
schade, denn ein ausführliches Making Off hätte diesem Werk
bestimmt nicht geschadet. Informationen darüber, warum und wie dieser
Film entstanden ist. Welche Probleme bei den Dreharbeiten auftraten usw.
Über solche Infos hätte ich mich eigentlich sehr gefreut.
Trotz der etwas mageren Extras, sollte man sich diese DVD kaufen. Der
Film selbst ist ein kleines Meisterwerk, man muss ihn einfach gesehen
haben. Und Warner hat für War Photographer eine sehr sehr
gute DVD- Umsetzung vollbracht! Diese Scheibe sollte in keinem Regal fehlen!!!
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Pictures
© Christian Frei.
22/01/03
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