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 < back                                     WAR PHOTOGRAPHER |
 

info |

Länge: 96 Min.
Bildformat: 1,85:1
Ton: Dolby Digital 2.0

Regie: Christian Frei
Kamera: Peter Indergand, Hanna Abu Saada, James Nachtwey
Musik: Eleni Karaindrou, Arvo Pärt, David Darling, Manfred Eicher
Darsteller: James Nachtwey, Christiane Amanpour, Hans-Hermann Klare, Christiane Breustedt, Des Wright, Denis O'Neill

 

oscars |

Nominierung:
Bester Dokumentarfilm

 

zusammenfassung |

Film: A+
Kamera: A
Musik: A

Bildqualität: A
Ton: A-
Extras: E

   
 

kurzbeschreibung |

Ein Film über den amerikanischen Fotografen James Nachtwey, über seine Motivation, seine Ängste und seinen Alltag als Kriegsreporter. Will man den Hollywood-Filmen glauben, dann sind sie alle abgebrühte und zynische Haudegen. Wie kann man im Augenblick des Grauens an die Belichtungszeit denken? James Nachtwey ist kein dröhnender Schwadroneur, sondern ein unauffälliger Mann mit grauen Haaren und der Bedachtsamkeit eines Philosophiedozenten. Er ist ein grüblerischer und eher schüchterner Mensch. Doch für viele ist er der mutigste und beste Kriegsfotograf aller Zeiten. Mit Sicherheit ist er der Meistbeschäftigte. Er hat in den letzten zwanzig Jahren keinen einzigen Krieg ausgelassen. Und er hat wohl mehr Schrecken und Sterben gesehen als jeder andere Mensch unserer Zeit. (off. Website)


meine meinung |

"Sind deine Bilder nicht gut genug, warst du nicht nah genug dran." Robert Capa

Mit diesem Zitat beginnt der Film War Photographer des schweizer Regisseurs Christian Frei. Um ganz ehrlich zu sein, hatte ich vorher noch kein Werk von Frei gesehen. Bekannt ist mir nur, dass er ausschließlich Dokumentarfilme gedreht hat. Und auch War Photographer ist ein Dokumentarfilm. Und - um eines vorweg zu nehmen - einer der besten, die ich jemals gesehen habe.

Wie es der Titel schon verrät, handelt der Film von einem Kriegsfotografen. Noch dazu von einem der besten unserer Tage, um nicht zu sagen DEM besten! Die Rede ist von James Nachtwey. Seine Fotografien sind weltbekannt und zurecht wurde Nachtwey mit unzähligen Preisen ausgezeichnet. Denn - um noch mal auf das Zitat von Robert Capa (einem der Gründer der weltbekannten Agentur "Magnum") zurück zukommen - Nachwey hat sich diesen Rat wohl sehr zu Herzen genommen. Denn wenn manche Fotografen das Geschehen aus sicherer Entfernung auf Film bannen, so ist "Jim" immer mitten dabei. Und das sieht man seinen Fotografien auch an.
Diese sind teilweise so schonungslos realistisch, dass man sich wünscht, manche seiner Bilder nie gesehen zu haben.

Christian Frei hat den »Kriegsfotografen« zwei Jahre lang begleitet. In die verschiedensten Krisengebiete unserer Welt.
Wir begleiten Nachtwey bei seiner Arbeit. Und was als erstes besonders stark auffällt, mit welcher Ruhe und Präzision der Fotograf ans Werk geht. Und - wie gerade schon erwähnt - er ist immer ganz nah am Geschehen. Nur wenige Meter trennen seine Kamera und die Dinge, die er damit für die Nachwelt festhält.
Eine geniale Idee der Macher - an Nachtwey's Canon EOS-1 wurde eine Mini-Filmkamera befestigt. Mit dieser bekommen wir unglaubliche Bilder zu Gesicht. Und gerade, wenn man sich für Fotografie begeistern kann, sind diese Aufnahmen mehr als interessant. Denn auf diese Art und Weise bekommt man einen fantastischen Einblick in die Arbeitsweise des »Photographers«. Was er durch seinen Sucher beobachtet, bekommen auch wir als Zuschauer zu sehen.


Schon oft habe ich mich gefragt, wie arbeiten Profis? Wie viele Fotos machen Sie von einem Ereignis? Welche Werkzeuge benutzen sie? In War Photographer sind wir in jeder Minute »live« dabei! Schon aus diesem Gesichtspunkt fand ich den Film überaus interessant.

Der Aufbau des Films ist schnell erzählt. Zum einen können wir das Genie Nachtwey bei der Arbeit beobachten, zum anderen werden diese außergewöhnlichen Eindrücke von Interviews unterbrochen. Gespräche, natürlich mit Nachtwey selbst, aber auch mit Freunden und Kollegen.

Natürlich werden auch die "fertigen" Fotos gezeigt. Beim Betrachten begleitete mich ein ungewöhnliches Gefühl. Denn man gerät, meiner Meinung nach, schon fast in einen Konflikt mit sich selbst. Als die ersten Bilder auf dem Bildschirm erschienen, war ich begeistert! Denn diese Fotografien sind kleine Meisterwerke. Technisch perfekt und fantastisch komponiert. Immer hat man den Eindruck, dass Nachtwey exakt den richtigen Augenblick und Bildauschnitt gefunden hat. Nur so darf ein Bild aussehen! Nur wenige Meter links, rechts oder weiter entfernt und die Perfektion wäre zerstört gewesen!
Doch im selben Moment wird einem erst richtig bewusst, was man hier eigentlich sieht! Und meist ist dies mehr als erschreckend. Arme, kranke, leidende, hungernde Menschen sind nur ein Bruchteil dessen, was uns Nachtwey mit seinen Werken zeigen möchte. Einige der Fotos sind aber schon so schrecklich, dass man am liebsten wegschauen möchte. Mittlerweile habe ich War Photographer schon fünf mal gesehen und bei keinem Mal verliert er seine Wirkung.

Beim ersten Ansehen kam mir natürlich, wie vielen anderen bestimmt auch, der Gedanke, dass dieser Mensch mit dem Leid anderer sein Geld verdient. Das ist natürlich richtig und es stellt sich sofort die Frage, ob dies denn wirklich sein muss! Die Antwort lautet eindeutig »JA«. Denn im Laufe des Films wird einem bewusst, dass Nachtwey seinen Beruf keineswegs aufgrund des Geldes ausübt. Nein, er möchte das Grauen auf dieser Erde schonungslos darstellen. Und das gelingt ihm auch perfekt. Denn so brillant wie auch grausam seine Abbildungen auch sein mögen, das wichtigste daran ist wohl, dass sie ungemein zum Nachdenken anregen. Dass wir uns ständig fragen, WARUM? Warum geschehen all diese schrecklichen Dinge? Warum schafft es die Menschheit nicht in Frieden zu leben? Waren unzählige sinnlose Kriege nicht Grund genug, endlich einmal aufzuwachen? Möchte nicht letztendlich jeder von uns einfach nur in Ruhe gelassen werden? Auch wenn es Nachtwey wohl nie schaffen wird, die Menschen davon zu überzeugen, was sie sich gegenseitig antun, er leistet wenigstens einen großen Beitrag dazu. Und dass muss man ihm hoch anrechnen!

Dieser unscheinbare Mann begibt sich jeden Tag aufs Neue in Lebensgefahr, nur um mit seinen Bildern das Grauen anderen zu übermitteln! Wenn auch manche sagen werden, er muss es doch nicht tun, es ist seine freie Entscheidung, so habe ich vor James Nachtwey ungeheuerlichen Respekt!

Selbstverständlich hat man den Eindruck, dass dieser Fotograf ohne seinen Beruf nicht mehr existieren könnte. Dass es ein Teil seines Lebens geworden ist, jeden Tag ans Limit zu gehen. Auch hier stellt sich mir wieder eine fast unglaubliche Frage. Wie kann es ein Mensch ertragen dies alles zu sehen? Schon die Fotografien sind gnadenlos erschreckend. Wie mag es wohl im Inneren eines Menschen aussehen, der dies ja alles hautnah miterlebt hat? Von Nachtwey werden wir es wohl nicht erfahren, denn er verhält sich zu seiner Arbeit sehr zurückhaltend und spricht sehr ungern von seinen Erlebnissen. Eines ist sicher, zwanzig Jahre dieses Berufes haben aus ihm sicherlich einen anderen Mensch gemacht!

War Photographer ist ein Film, den man gesehen haben MUSS! An dieser Stelle, ein großes Lob und ein riesiger Dank an den sympatischen Regisseur Christian Frei, dem es gelungen ist, einen der wichtigsten Filme unserer Tage zu machen.
Die Oscar-Nominierung war vollkommen verdient und ich hätte es ihm sehr gegönnt, hätte er die Auszeichnung bekommen.
Aber ich denke, wichtiger als jede Trophäe ist wohl das Lob der Zuschauer. Und wenn ich mir das Gästebuch der offiziellen Website einmal ansehe, so findet man so gut wie keine negative Kritik zu Frei's Film. Und wie man diesem Review nur unschwer entnehmen kann, schließe ich mich jedem lobenswertem Wort an! Somit an dieser Stelle nochmal den allergrößten Respekt für James Nachtwey und Christian Frei!



andere meinungen |

irene marx | www.artetic.com

der film hat mich sehr aufgewühlt und berührt. natürlich durch die bilder, die all diese menschlichen schicksale zeigen, von denen man sich so gerne abwendet. aber vor allem auch durch die person james nachtwey. er lebt sein leben in totaler selbstaufgabe, um seine aufgabe zu erfüllen und seine mission zu leben. er ist für mich ein mensch, der tief in sich selbst ruht, der mit sich im völligen einklang sein muß, um zu solch einer hingabe fähig zu sein. es geht solch eine kraft von ihm aus! durch seinen optimismus, der nicht zu wanken scheint. durch seine fokussiertheit auf das, was er tun muß und kann.

seine überzeugtheit gibt mir kraft, und ich sehe einen sinn darin, nicht aufzugeben. nicht zu sagen "es nützt ja doch nichts". nicht zu resignieren, wenn unmittelbar wieder einmal ein krieg bevorsteht. nicht wegzusehen. wir müssen hinsehen! wir dürfen nicht stillsein. das ist die botschaft, die ich aus diesem film mitgenommen habe, und wofür mir der film auch kraft gibt. ich weiß nicht, wie lange diese kraft anhalten wird. und ich bewundere diesen mann, der seit über 20 jahren all das leid sieht, und doch weiterkämpft und nicht resigniert, und dabei den menschen noch mit all diesem respekt begegnet, wo er doch schon so oft erfahren hat wie austauschbar die fronten sind.
ich wünschte, jeder mensch würde diesen film sehen. dieser kontrast zwischen dem was die politiker erzählen einerseits und diesen bildern andererseits, sollte jedem menschen so vor augen geführt werden. diese bilder sagen mehr als tausend worte. mehr als alle schlauen stammtischdiskussionen.



Infos >>>
James Nachtwey war von 1986 bis 2001 Mitglied der Fotoagentur Magnum. Mittlerweile arbeitet er für VII.

Weitere Informationen zum Film und den Machern von War Photographer findet man auf der offiziellen Website www.war-photographer.com.


dvd | code 2

Die Umsetzung von War Photographer ist sehr gut gelungen. Das Bild ist perfekt. Gefilmt wurde mit einer digitalen Videokamera und das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. Bisher kannte ich den Film nur durch seine Fernsehausstrahlung. Und im Vergleich zu dieser ist die DVD fantastisch. Optimale Schärfe, gute Farben, alles ist hier in Ordnung.

Zuerst hatte ich mich ein wenig gewundert, warum dem Film keine 5.1 Abmischung spendiert wurde. Letztendlich ist dies aber relativ egal. Der 2.0 Dolby Soundtrack reicht vollkommen aus. Schließlich ist dies kein Actionkracher sondern ein Dokumentationsfilm. Hier zählen nicht Effekte sondern Informationen. Außerdem kommt es hauptsächlich auf das an, was man in diesem Fall zu SEHEN bekommt. Der Ton ist trotzdem perfekt abgemischt. Alle Stimmen sind perfekt zu verstehen. Man kann sich nicht beschweren.

Die Extras hätte man sich aber sparen können. Fast hat man den Eindruck, man hat zwanghaft nach ein paar Kleinigkeiten gesucht, die man als "Specials" verkaufen kann. Denn so gut wie alle hier gezeigten Informationen hat man schon während des Filmes gesehen. Eigentlich schade, denn ein ausführliches Making Off hätte diesem Werk bestimmt nicht geschadet. Informationen darüber, warum und wie dieser Film entstanden ist. Welche Probleme bei den Dreharbeiten auftraten usw. Über solche Infos hätte ich mich eigentlich sehr gefreut.

Trotz der etwas mageren Extras, sollte man sich diese DVD kaufen. Der Film selbst ist ein kleines Meisterwerk, man muss ihn einfach gesehen haben. Und Warner hat für War Photographer eine sehr sehr gute DVD- Umsetzung vollbracht! Diese Scheibe sollte in keinem Regal fehlen!!!


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Pictures © Christian Frei.



22/01/03